21.02.2019

Christoph Kosmalski: „Es ist ein tolles Gefühl, finanziell unabhängig zu sein!“

Zwischen Werkstatt bzw. Bilddungs-/Trainingsmaßnahme und dem Allgemeinen Arbeitsmarkt – Geschichten vom Wechsel in ein sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis.

Versiert rangiert Christoph Kosmalski den Gabelstapler im schmalen Gang, fährt Paletten voller Prospekte zur Laderampe, parkt dann in einer Ecke. Seit gut eineinhalb Jahren arbeitet der 41-Jährige als Lagerist bei der Druckerei Offset Company in Barmen. Er fühlt sich wohl in dem Familienunternehmen, kommt gut mit den Kollegen aus.

Dass er den Weg dorthin geschafft hat, empfindet er selbst als „großes Glück“. Denn ein paar Jahre früher hätte er sich einen Job auf dem ersten Arbeitsmarkt nicht zugetraut. Schon als Jugendlicher hatte Christoph Kosmalski Probleme, seinen Platz in der Gesellschaft zu finden. Er schaffte die Ausbildung zum Fachlagerist, war jedoch nach einem Burn-out lange arbeitsunfähig. forum e.V. mit seinem Programm Train2be für die berufliche Wiedereingliederung im Auftrag des Jobcenters Wuppertal schaffte die Wende.

„Die erste Zeit war schlimm“, erzählt Kosmalski. Es fiel ihm schwer, morgens pünktlich für den Arbeitsbeginn aufzustehen und dann die Aufträge der Anleiter zu erledigen. Auch die Kommunikation mit seinen Arbeitskollegen fand er zu Beginn anstrengend. „Es hat Monate gedauert, bis ich mich an all das gewöhnt habe.“

Als sein Arbeitsanleiter ihm vorschlug, in die Aufbaumaßnahme Train2beplus zu wechseln, lehnte er erst einmal erschrocken ab. Die Arbeit unter realen Bedingungen – wenn auch im schützenden Rahmen von forum/proviel – bereitete ihm Sorgen. „Ich habe mir vorgestellt, dass die Arbeitsweise eine ganz andere wäre, dass mich die Chefs jeden Tag anschreien würden“, erzählt er. Ein halbes Jahr später hatte ihm jedoch die Ergotherapie so viel Selbstvertrauen gegeben, dass er den Schritt wagte und feststellte: „Es ist niemals so schlimm, wie man es sich vorstellt.“ Schrittweise erhöhte er seine Arbeitszeit von 5,5 Stunden am Tag auf Vollzeit. Die Anleiter von Train2beplus achteten auf das Einhalten der Pausenlängen und kontrollierten die Produktivität ihrer Schützlinge, um diese konkurrenzfähig für den ersten Arbeitsmarkt zu machen. Nach drei Monaten wechselte Christoph Kosmalski zum Standort Farbmühle. So lernte er, sich in ein komplett neues Team einzufinden. Für sich persönlich betrachtete Kosmalski die Zeit als Test: „Kann ich den Druck, der durch Arbeitsspitzen im Betriebsablauf entsteht, aushalten?“ Er entschied: Ja. Stück für Stück übernahm er immer anspruchsvollere Aufgaben und erneuerte auch seinen Gabelstaplerschein.

Dann entschloss er sich für den nächsten Schritt: ein Praktikum in einer externen Firma. Mit seinem Jobcoach machte er sich auf den Weg zu einem großen Sanitätshaus. „Ich hatte Nervenflattern und Schweißausbrüche – aber ich habe versucht, mich so gut wie möglich zu präsentieren.“ Besonders der Umgang mit den neuen Kollegen verunsicherte ihn. Als er sich am nächsten Morgen alleine auf den Weg zu seinem Praktikum machen sollte, musste er sich vor Aufregung übergeben. Trotzdem überwand er sich und trat seinen Arbeitstag an. „In der zweiten Woche wurde die Nervosität dann langsam besser, in der vierten Woche ging ich mit gutem Gefühl dorthin. Die Kollegen waren wirklich sehr geduldig und haben mich gut behandelt“, lobt er.

So gestärkt, wagte der Lagerist bald den nächsten Schritt: Ganz alleine absolvierte er einen Probearbeitstag im Lager eines Automobil-Zulieferers. „Aber da habe ich schnell gesehen, dass das nichts für mich ist – da muss man körperlich sehr belastbar sein.“ Trotzdem brachte ihm der Termin neuen Schub: „Für mich war das ein großer Durchbruch: Ich habe einen Tag mit unbekannten Personen verbracht, ohne Panik zu bekommen.“ Also sah er jetzt kein Hindernis mehr, seinen Weg in den ersten Arbeitsmarkt fortzusetzen. Das anschließende Praktikum bei der Offset Company stellte ihn vor keine großen Herausforderungen mehr, auch wenn es zu Beginn anstrengend war. Nach und nach gewöhnte sich Christoph Kosmalski ein, lernte den Betrieb und seine Abläufe immer besser kennen. Nach Ablauf des Praktikums bot ihm Ute Brüne einen festen Vertrag in der Offset Company an und hieß ihn herzlich willkommen im Team. „Da war mir vor Freude wirklich nach Heulen zumute.“

Jetzt genießt es der Lagerist, dem Jobcenter keine Rechenschaft ablegen zu müssen. „Es ist ein tolles Gefühl, finanziell unabhängig zu sein. Ich komme jetzt bequem über den Monat und kann manchmal auch essen gehen“, freut er sich. Gerade hat er sich auch eine Spielekonsole geleistet. Für „schlechte Zeiten“ legt er jeden Monat etwas Geld zurück. Gleichzeitig findet er den Gedanken beruhigend, dass er sich bei Fragen und Problemen jederzeit an forum/proviel wenden kann.