25.07.2019

„proviel hat mir das Gefühl gegeben, dass ich etwas leisten kann.“

Heute in der Rubrik „von unseren Außenarbeitsplätzen“: Michael Flinta, Ressort Bauen und Wohnen, 105.03 Denkmalschutz und Denkmalpflege

Michael Flinta kommt aus einer anderen Welt: In der Ukraine wuchs er unter dem Regime der Sowjetunion auf. Nach dem Abitur studierte er in Kiew Planwirtschaft. „Es ist eine Kunst, die Wirtschaft zu planen – man muss so viele verschiedenen Aspekte beachten, soziale, industrielle, die Landwirtschaft“, betont er. Alleine vier Fachrichtungen der Mathematik gehörten zu seinem Studium. Nach seinem Studium arbeitete er im Finanzamt, dann in einer Bank. Doch mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion stieg die Inflation heftig. „Damals hatten die Lebensmittel morgens und abends unterschiedliche Preise. Auch die Kriminalität war schlimm“, erzählt Michael Flinta. Mühsam sei es gewesen, in dieser Zeit die Familie zu ernähren.

Im Jahr 2000 zieht er, als Kontingentflüchtling mit seiner Frau und dem Kind nach Deutschland. Schnell lernte er in Wuppertal Deutsch und absolvierte eine Umschulung zum Steuerfachangestellten. Dann jedoch wurde er krank, musste Operationen und lange Krankenhausaufenthalte über sich ergehen lassen. So bald wie möglich wollte er jedoch wieder seinen Lebensunterhalt selbst verdienen. Im Internet suchte er dafür nach Möglichkeiten und stieß auf proviel. 2010 rief er dort einfach an und konnte ein Jahr später mit Unterstützung des Jobcenters in das Programm provieliert (heute Train2be) wechseln.

„Wenn man alleine zu Hause sitzt, fühlt man sich oft unsicher. proviel hat mir das Gefühl gegeben, dass ich etwas leisten kann“, freut sich Michael Flinta. Erst einmal fing er wie alle mit einfachen Arbeiten an, die Flinta heute etwas belächelt. „Aber sie haben mir Tagesstruktur gegeben und es kommen einem ganz andere Gedanken in den Kopf.“ Er wollte etwas schaffen. Allerdings zeigte es sich, dass es mit seiner Behinderung schwierig war, eine Stelle auf dem Ersten Arbeitsmarkt zu bekommen. „Zwischen dem Ersten und Zweiten Arbeitsmarkt gibt es einen riesigen Unterschied.“ Deshalb wechselte er in die berufliche Rehabilitation.

Jahre lang half Michael Flinta im Büro von proviel und absolvierte gleichzeitig die Kurse „Inklusion“ und „Berufswegeplanung“. Durch die Gespräche mit den Jobcoaches entwickelte er eine Perspektive für sich. 15 Monate lang archivierte er bei einem Immobilienunternehmen auf einem Betriebsintegrierten Arbeitsplatz (BiAp) Unterlagen. „Das war eine tolle Sache – dort habe ich meine Leistungsfähigkeit stark verbessert“, sagt der 47-Jährige. Dann allerdings waren alle Akten einsortiert. Nach einer Zeit in der proviel-Buchhaltung arbeitet Michael Flinta jetzt seit einem Jahr im Denkmalschutzamt. Zwischen den dicken Papierstapeln fühlt sich der Planungsexperte wohl. Voller Freude prüft er die Akten, ob alle nötigen Dokumente vorhanden sind und alle Rechnungen tatsächlich abgerechnet werden dürfen. Sorgfältig fügt er die Akten in die richtigen Hängeregistraturen ein. Auf Klebezetteln notiert er Fristen, die eingehalten werden müssen. „Mit der Zeit habe ich alle Regeln gelernt.“ Gerade wurde sein BiAp um fünf Jahre verlängert.“

Zum Ausgleich für das viele Sitzen spielt Michael Flinta Fußball in der proviel-Mannschaft. „Wir haben auch regelmäßig Turniere in Sondern, Remscheid und Langenberg“, erzählt Michael Flinta. Außerdem schätzt er die gemeinsamen Koch-Treffs für alle BiAp-Teilnehmer von proviel: „Da kann man mit Leuten sprechen, die in der gleichen Situation sind“, lobt er.