08.09.2016

25 Jahre Wuppertal Institut - Jubiläumsfeier auch am Arrenberg

Feiern, Diskutieren, Erleben - der Festakt am 8. September 2016 ist der Mittelpunkt der Feierlichkeiten rund um den Institutsgeburtstag. Er wird gerahmt von zwei wissenschaftlichen Kongressen und Möglichkeiten zum Erleben des utopischen Potenzials der Stadt.

Neben dem Festakt mit internationaler Kulisse wird die Stadt Wuppertal im Mittelpunkt stehen. Unter dem Jubiläums-Motto: „Welcome to Wuppertal – Making Utopia possible“ zeigt das Institut zusammen mit Partnern das starke Transformationspotenzial der Stadt Wuppertal. Initiativen und Macher aus den verschiedensten Bereichen (Stadtentwicklung & Strukturwandel, Kunst & Kultur, Energiewende & Bürgerbeteiligung etc.) stellen am Nachmittag ihre Projekte und Initiativen den Jubiläumsgästen in dezentralen Veranstaltungen im Arrenberg-Quartier vor. In diesem Kontext steht auch der Standort von proviel auf dem Besuchszettel der Jubiläumsgäste und wir sind sehr froh unsere Entwicklung und insbesondere unsere tägliche Arbeit auf diesem Weg vorstellen zu können.

Hier Auszüge aus unserer Begrüßung:


Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Besucherinnen und Besucher! Herzlich willkommen am Arrenberg!

Für uns als Werkstatt für Menschen mit psychischer Behinderung war und ist dies ein optimaler Standort. Mitten in der Stadt und mit dem öffentlichen Personennahverkehr sehr gut erreichbar. Auch bot das Gelände die Möglichkeit, den wachsenden Platz- und Raumbedarf zu erfüllen. Die
Fertigstellung des dritten Bauabschnitts hier am Arrenberg ist das aktuell deutliche Zeichen für unsere noch immer sehr gute Entwicklung. Seit 2009 haben wir einen weiteren Standort in Wuppertal. In Unterbarmen, ebenso zentral gelegen und unmittelbar an der Fahrtstrecke der Wuppertaler Schwebebahn. Diese Integration mitten in den Stadtteil ist für uns ein optimaler Zustand. Denn Menschen mit Behinderung – insbesondere mit psychischer Behinderung – wollen, sollen und müssen am gesellschaftlichen Leben teilhaben. Die Möglichkeit, einen eigenen Arbeitsplatz aufzusuchen, Kollegen und Freunde zu finden und dabei etwas Wertvolles zu leisten, einen eigenen Anteil für die Gesellschaft beizusteuern – das ist für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein wertvolles Ziel - und für uns gleichermaßen eine Aufgabe zur Gestaltung.

Unsere Aufgaben bei der Arbeit mit und für Menschen mit psychischer Behinderung sind vielfältig: zum einen sind unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unserer Auftraggeber. Wir bieten diesen Menschen einen Arbeitsplatz, der ihren Fähigkeiten und Fertigkeiten entspricht. Hier besteht die
Möglichkeit – sofern sie es möchten und sich zutrauen, sich Stück für Stück beruflich zu qualifizieren. Das übergeordnete Ziel dabei lautet immer, fit für den ersten Arbeitsmarkt zu werden. Manche wollen dies. Und viele fühlen sich auch hier genau richtig aufgehoben, um dauerhaft in einem sicheren Umfeld wertvolle Arbeit zu leisten.

Als regionaler Industriedienstleister sind wir ein wichtiger Partner in der Stadt und unserer Region. Mehr als 70 Auftraggeber vertrauen auf ein vielfältiges Leistungsspektrum von der Metallverarbeitung bis zur Elektromontage.

Unsere Aufgabe lässt sich damit einfach beschreiben. Wir bauen eine verlässliche Arbeits- und Organisationsstruktur auf. Wir schaffen den Rahmen, damit diejenigen, die vom ersten Arbeitsmarkt eigentlich aussortiert worden, wieder in die Lage versetzt werden, qualitativ hochwertige Leistungen für den ersten Arbeitsmarkt zu erstellen und auf Wunsch den Weg zurück dorthin zu erarbeiten und langfristig zu ermöglichen.

Ein modernes Zauberwort durchstreift viele Medien: die Inklusion. In unserem Fall besteht der politische Wunsch, dass am besten alle Menschen mit Behinderung nicht in einem geschützten Rahmen wie diesem arbeiten, sondern auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt – und damit in renditeorientierten Unternehmungen – untergebracht werden. Doch kann dies zu 100 % gelingen? Welche Grundvoraussetzungen würden dafür überhaupt benötigt?

Nun, zum einen müssten alle Menschen mit Behinderung im Kontext des allgemeinen Arbeitsmarkts arbeiten wollen. Dies ist nicht so, denn viele Menschen haben im Laufe ihres Berufslebens dort schon sehr schlechte Erfahrungen gemacht. Zum anderen müssten alle Unternehmerinnen und Unternehmer bereit sein, Menschen mit Handikap einzustellen und deren Arbeitsplätze so zu gestalten dass sie sich wirklich am Menschen orientieren. Ich glaube, da sind wir noch weit von entfernt und in vielen Fällen ist es eher die Aufgabe, dass der Mensch zum definierten Arbeitsplatz passen muss.

Auch wir verfolgen mit Nachdruck das Ziel, allen unseren Kolleginnen und Kollegen, die hinaus auf einen Außenarbeitsplatz wollen, einen solchen zu suchen. Die gemeinsame Gestaltung mit dem Unternehmer ist dann die wichtigste Arbeit, um die vielfältigen Erfolge der vergangenen Jahre zu
ermöglichen. Auf diesem Weg haben wir viele glückliche Gesichter gesehen. Aber alleine bei uns sagen in einer Mitarbeiterbefragung fast zwei Drittel der Menschen mit Behinderung, dass sie auf keinen Fall wieder zum Stress, zum Druck oder zum Mobbing zurück möchten, das sie mit dem
ersten Arbeitsmarkt verbinden.

Jeder Mensch freut sich über Arbeit und gesellschaftliche Teilhabe! Jeder Mensch braucht diese Teilhabe. Damit jeder Mensch arbeiten und gesellschaftlich teilhaben kann, braucht es Strukturen, die sich auf Stärken konzentrieren, die Hilfe anbieten, die Wege aufzeigen, mit den eigenen Schwächen umzugehen oder diese zu akzeptieren. Wenn man diese Strukturen aufbaut, kann man mit gehandicapten Menschen, mit Langzeitarbeitslosen, letztlich mit jeder Gruppe Menschen wirklich etwas erreichen und Verlässlichkeit aufbauen. Am Ende erfährt man ganz viel Dankbarkeit von denjenigen, die oft in ihrem Leben Niederlagen durchlitten haben, die häufig ohne Orientierung waren und nunmehr endlich wissen, wo ihre berufliche Heimat ist.

Dateianlagen:
 wz_20160907_01.pdf (2,40 MB )